Übergewicht beim Pferd erkennen, behandeln und vorbeugen
Übergewicht beim Pferd ist weiter verbreitet, als viele denken – und wird oft unterschätzt. Ein paar Kilo zu viel wirken vielleicht gemütlich, belasten aber Gelenke, Stoffwechsel und Hufe deines Pferdes erheblich und können ernste Erkrankungen auslösen. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Fütterung, cleverem Weidemanagement und genügend Bewegung bekommst du das Gewicht wieder in den Griff. Hier erfährst du Schritt für Schritt, woran du ein zu dickes Pferd erkennst, wie es gesund abnimmt und welches Zubehör und Pferdefutter dich dabei unterstützt.
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Übergewicht beim Pferd erkennen
Ob dein Pferd zu dick ist, verrät dir weniger die Waage als dein Auge und deine Hand. Fahre mit flacher Hand über die Rippen: Bei Normalgewicht sind sie leicht zu ertasten, aber nicht sichtbar. Achte zusätzlich auf einen harten Fettkamm am Mähnenhals, Fettpolster hinter der Schulter und beidseits der Schweifrübe – klassische Zeichen für zu viele Reserven.
Besonders tückisch: Unter dichtem Winterfell oder einer üppigen Mähne fällt Übergewicht kaum auf. Nutze deshalb den Body-Condition-Score (Skala 1–9) und taste dein Pferd regelmäßig ab, statt dich auf den ersten Eindruck zu verlassen.

Was ist der Body-Condition-Score (BCS)?
Der Body-Condition-Score (BCS) ist ein standardisiertes Bewertungssystem, mit dem du den Ernährungszustand deines Pferdes objektiv einschätzt – unabhängig von der Waage. Du beurteilst die Fettauflage an mehreren Körperstellen per Blick und mit der tastenden Hand. Die gängige Skala reicht von 1 (abgemagert) bis 9 (extrem verfettet); der Idealbereich liegt bei 4 bis 5.
So prüfst du den BCS Schritt für Schritt:
- Mähnenkamm & Hals: weich und ohne harten, kippenden Fettkamm?
- Widerrist & Rücken: Knochen fühlbar, keine polsternde Fettschicht?
- Hinter der Schulter: glatter Übergang ohne tastbaren Wulst?
- Rippen: mit leichtem Druck tastbar, aber nicht sichtbar?
- Schweifansatz & Kruppe: keine schwabbeligen Fettdepots?
Vergib für jede Region ein Ergebnis und bilde daraus eine Gesamtnote. Wiederhole die Beurteilung etwa einmal im Monat – so erkennst du Gewichtsveränderungen früh und kannst die Fütterung rechtzeitig anpassen.
Warum werden Pferde zu dick?
Die Ursache ist fast immer ein Ungleichgewicht aus Energie und Bewegung: zu viel Kraftfutter, zuckerreiches Weidegras und zu wenig Auslauf. Moderne Boxenhaltung verstärkt das Problem, weil sich Pferde von allein deutlich weniger bewegen als in freier Natur. Dazu kommt die genetische Veranlagung – manche Pferde legen schon bei kleinsten Mengen zu.
Besonders gefährdet: leichtfuttrige Rassen
Robustrassen wie Haflinger, Isländer, Fjordpferde und Tinker sind wahre Energiesparer. Sie kommen mit wenig Futter aus und setzen überschüssige Kalorien besonders schnell an. Bei ihnen lohnt sich ein extra wachsames Auge auf Futter und Gewicht.

In 5 Schritten zum Idealgewicht
Eine Pferde-Diät bedeutet nicht Hungern, sondern klug steuern. Wichtig ist, dass du die Umstellung langsam angehst – bei zu radikalem Futterentzug drohen Fettstoffwechselstörungen bis hin zum Leberschaden. Mit diesen fünf Schritten bringst du dein Pferd sicher in Form:
1
Kraftfutter reduzieren
Streiche Getreide und energiereiches Müsli weitgehend. Die meisten Freizeitpferde brauchen kein Kraftfutter – gutes Heu und ein passendes Mineralfutter decken den Bedarf vollständig.
2
Heu bewusst dosieren
Wiege die Heuration ab, statt nach Gefühl zu füttern (Richtwert für die Diät: rund 1,5 kg Heu je 100 kg Körpergewicht). Über ein engmaschiges Heunetz frisst dein Pferd langsamer und länger.
3
Weidezeit steuern
Begrenze den Weidegang, vor allem beim zuckerreichen Frühjahrsgras. Eine abgegraste Koppel oder eine Fressbremse drosseln die Grasaufnahme zusätzlich.
4
Bewegung aufbauen
Steigere die Bewegung Schritt für Schritt – erst viel Schritt und Bodenarbeit, dann mehr Trab und Galopp. Regelmäßigkeit bringt mehr als seltene, harte Einheiten.
5
Fortschritt kontrollieren
Prüfe Gewicht und Body-Condition-Score alle zwei bis vier Wochen. So erkennst du früh, ob die Diät wirkt – oder ob du nachjustieren musst.
Praxis-Tipp: Fortschritt sichtbar machen
Fotografiere dein Pferd einmal im Monat von der Seite und von oben – immer im gleichen Licht und Winkel. So erkennst du Veränderungen, die im Alltag leicht übersehen werden, und bleibst motiviert.
Richtig füttern: Heu statt Kraftfutter
Der Schlüssel liegt im Raufutter. Reduziere zuerst das Kraftfutter, denn es treibt die Energiezufuhr unnötig in die Höhe. Die meisten Freizeitpferde sind mit gutem Heu und einem passenden Mineral- und Ergänzungsfutter bestens versorgt – so bleibt die Nährstoffversorgung gesichert, ohne dass dein Pferd zu viele Kalorien bekommt.

Damit die knappere Ration lange satt hält, ist die Fresszeit entscheidend. Vermeide Fresspausen von mehr als vier Stunden – sie bedeuten Stress für den Magen und können zu Koliken führen. Ein engmaschiges Heunetz ist hier dein wichtigstes Hilfsmittel.
Das wichtigste Diät-Hilfsmittel: das Heunetz
Mit einem engmaschigen Heunetz frisst dein Pferd langsamer und ist länger beschäftigt – ohne mehr Kalorien. In unserer Kategorie findest du für jedes Pferd die passende Maschenweite.
Weide & Bewegung clever managen
Gras – besonders im Frühjahr – steckt voller Zucker und Energie. Stelle ein übergewichtiges Pferd deshalb nicht rund um die Uhr auf die Weide. Begrenze die Weidezeit, nutze eine abgegraste Koppel oder zäune mit einem mobilen Weidezaun einen kleineren Bereich ab. Eine Fressbremse kann die Grasaufnahme zusätzlich reduzieren.
Genauso wichtig ist Bewegung. Baue das Training langsam auf, denn die Extrakilos belasten Gelenke, Bänder und Sehnen. Starte mit ausgiebigen Schritt-Einheiten und Bodenarbeit, bevor du Trab- und Galopparbeit steigerst.

Folgen von Übergewicht: EMS & Hufrehe
Dauerhaftes Übergewicht ist kein Schönheitsthema, sondern ein echtes Gesundheitsrisiko. Der gesamte Bewegungsapparat wird stärker belastet, Gelenke verschleißen früher. Vor allem aber kann der Stoffwechsel entgleisen: Beim Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) entwickelt das Pferd eine Insulinresistenz, die häufig in eine schmerzhafte Hufrehe mündet. Auch Leber und Nieren leiden unter der Dauerbelastung.

⚠ Diese Warnsignale erfordern schnelles Handeln
Ein harter, kippender Fettkamm, plötzliche Fühligkeit oder ein klammer, trippelnder Gang, häufiges Umtreten und wiederkehrende Hufrehe-Schübe sind ernste Alarmzeichen. Ziehe in diesen Fällen umgehend deinen Tierarzt hinzu.
Häufige Fragen zu Übergewicht beim Pferd
Wie schnell darf ein Pferd abnehmen?
Langsam und stetig. Eine radikale Diät kann den Fettstoffwechsel überlasten und die Leber schädigen. Plane die Gewichtsabnahme über Wochen und Monate und passe Futter sowie Bewegung schrittweise an.
Ab wann ist ein Pferd zu dick?
Als Orientierung dient der Body-Condition-Score. Ein Wert über 6 von 9 gilt als übergewichtig. Praktisch heißt das: Die Rippen sind nicht mehr fühlbar und es bildet sich ein harter Fettkamm am Hals.
Darf ein übergewichtiges Pferd auf die Weide?
Ja, aber kontrolliert. Begrenze die Weidezeit, nutze eine abgegraste Koppel oder eine Fressbremse und meide das besonders zuckerreiche Frühjahrsgras in den Morgenstunden.
Welches Heunetz eignet sich zum Abnehmen?
Ein engmaschiges Heunetz mit kleiner Maschenweite. Es verlangsamt die Futteraufnahme, verlängert die Fresszeit und verhindert lange Fresspausen – ideal während einer Diät.
Reicht es, nur das Kraftfutter wegzulassen?
Meist nicht allein. Kraftfutter zu reduzieren ist ein wichtiger erster Schritt, doch erst die Kombination aus angepasstem Raufutter, begrenzter Weide und mehr Bewegung bringt dauerhaft Erfolg.
Alles für ein gesundes Pferdegewicht
Von Heunetzen über Mineralfutter bis zum mobilen Weidezaun – bei Agrarzone findest du alles, was dein Pferd fit und schlank hält.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Bei Anzeichen von Krankheit oder einer Vergiftung/Verletzung wende dich bitte umgehend an einen Tierarzt.





