Das Islandpferd gehört zweifellos zu den beliebtesten Pferderassen in Deutschland. Wer einmal einen Isländer beobachtet hat, bemerkt schnell, dass diese Tiere eine ganz besondere Ausstrahlung besitzen. Sie sind kompakt, kräftig und wirken mit ihrer üppigen Mähne fast wie ein direktes Erbe aus der Sagenwelt des Nordens. Doch was macht diese Rasse eigentlich so speziell, dass sie eine so treue Anhängerschaft weltweit gefunden hat?
In diesem ausführlichen Artikel werfen wir einen detaillierten Blick auf die faszinierende Welt der Islandpferde. Wir klären alles Wissenswerte zur Haltung, zum einzigartigen Charakter und natürlich zu den besonderen Gangarten, die das Reiten auf ihnen zu einem unvergleichlichen Erlebnis machen.
- Steckbrief: Wichtige Daten auf einem Blick
- Herkunft und Geschichte
- Die Merkmale des Islandpferdes
- Die Islandpferdezucht; Ein Blick hinter die Kulissen der Reinzucht
- Der Charakter der Isländer: Ein Herz aus Gold und viel Energie
- Tölt und Rennpass: Das Geheimnis der fünf Gänge
- Haltung & Fütterung: Was ein Isländer wirklich braucht
- Was kostet der Traum vom eigenen Isi?
- FAQ
Steckbrief: Wichtige Daten auf einem Blick
| Ursprung | Island |
| Hauptzuchtgebiet | Europa (besonders Island, Deutschland, Österreich, Schweden und Dänemark) |
| Verbreitung | Weltweit (besonders Europa und Nordamerika) |
| Zucht seit | 9. – 10. Jahrhundert |
| Lebenserwartung | bis zu 40 Jahre |
| Stockmaß | 130 – 150 cm |
| Charakter | freundlich, mutig, selbstbewusst, lebendig |
| Farbe | Alle Farben (Außer Tigerschecken) |
| Typ | Kleinpferd / Robustpferd |
| Haupteinsatzgebiet | Freizeit-, Gang-, Wander- und Turniersport |
Herkunft und Geschichte
Die Geschichte des Islandpferdes ist untrennbar mit den Wikingern verbunden. Als diese im 9. Jahrhundert die Insel Island besiedelten, brachten sie ihre besten Pferde aus Norwegen und Schottland mit. Da auf der Insel keine heimischen Pferde existierten, blieben diese Tiere über ein Jahrtausend lang unter sich. Die Abstammung der Islandpferde lässt sich somit auf germanische und keltische Ponys zurückführen, die sich über die Jahrhunderte an das extrem raue Klima des Nordatlantiks anpassten.
In ihrer Heimat waren sie lange Zeit das einzige Transportmittel. Ein Islandpferd musste Lasten tragen, weite Strecken über Lavafelder zurücklegen und reißende Gletscherflüsse durchqueren. Diese harte natürliche Selektion hat eine der widerstandsfähigsten isländischen Pferderassen hervorgebracht. Bis heute ist die Reinheit der Rasse gesetzlich geschützt: Ein Pferd, das Island einmal verlassen hat, darf niemals wieder zurückkehren, um die Einschleppung von Krankheiten zu verhindern.

Die Merkmale des Islandpferdes
Betrachtet man das Aussehen eines Islandpferdes, fällt sofort die kraftvolle Statur ins Auge. Trotz der geringen Größe von meist 130 bis 150 cm wirken sie nie zierlich. Sie besitzen ein stabiles Fundament, einen muskulösen Hals und einen oft recht großen, ausdrucksstarken Kopf. Diese physischen Merkmale ermöglichen es ihnen, auch große Erwachsene problemlos über weite Strecken zu tragen, ohne dabei an Eleganz oder Energie zu verlieren.
Ein weiteres Highlight ist die unglaubliche Farbenvielfalt. Ein Isländer kann fast jede Farbe haben, die die Natur vorgesehen hat. Ob klassische Rappen, Füchse oder Schimmel, bis hin zu seltenen Erdfarben, Isabellen oder wunderschönen Schecken – die Auswahl ist riesig. Die einzige Ausnahme bilden Tigerschecken, die in der reinen Zucht nicht vorkommen. Besonders markant ist zudem das dichte Langhaar. Eine üppige Mähne und ein dicker Schweif schützen die Tiere in ihrer Heimat vor Wind und Wetter und verleihen ihnen ihr typisches, wildes Aussehen.
Die Islandpferdezucht; Ein Blick hinter die Kulissen der Reinzucht
Die Islandpferdezucht ist ein Thema, das weit über die einfache Vermehrung von Tieren hinausgeht. Es ist eine weltweit vernetzte Wissenschaft, die darauf abzielt, ein jahrtausendealtes Kulturgut zu bewahren und gleichzeitig moderne, leistungsstarke Sport- und Freizeitpferde zu formen. Da die Rasse seit über 1.000 Jahren rein gezüchtet wird, gibt es keine andere Pferderasse, die eine so lückenlose Dokumentation ihrer Vorfahren aufweisen kann.
WorldFengur: Das „Facebook“ der Islandpferde
Ein zentraler Pfeiler der modernen Zucht ist WorldFengur. Das ist eine weltweite Datenbank, in der fast jedes existierende Islandpferd registriert ist. Züchter können dort Stammbäume über Generationen zurückverfolgen, Zuchtschätzwerte einsehen und potenzielle Anpaarungen simulieren. Das ist besonders wichtig, um Inzucht zu vermeiden und gezielt Eigenschaften wie Gangqualität oder Charakter zu verbessern.
Die FIZO: Die Reifeprüfung für Zuchtpferde
Damit ein Islandpferd in die Elite-Zucht aufgenommen wird, muss es eine sogenannte Materialprüfung nach FIZO-Standard (Internationales Reglement für Islandpferdezuchtprüfungen) ablegen. Dabei werden die Pferde in zwei Hauptkategorien bewertet:
Ein Pferd, das hier hohe Noten erhält, gilt als wertvoller Zuchtbaustein. Das Ziel ist oft der sogenannte Gæðingur – das ideale Pferd, das stolz, kooperativ und mit akzentuierten, lockeren Gängen überzeugt.

Zuchtziele außerhalb Islands
Obwohl Island das Mutterland ist, hat sich Deutschland zum zweitwichtigsten Zuchtland weltweit entwickelt. Deutsche Züchter legen oft einen besonderen Fokus auf die Eigenschaften des Islandpferdes, die im dicht besiedelten Europa wichtig sind: Gelassenheit im Straßenverkehr und eine hohe Toleranz gegenüber Umweltreizen, ohne dabei den typisch isländischen Vorwärtsdrang zu verlieren.
Die Zucht ist also ein ständiger Balanceakt zwischen dem Erhalt der nordischen Urwüchsigkeit und den Anforderungen moderner Reiter.
Der Charakter der Isländer: Ein Herz aus Gold und viel Energie

Tölt und Rennpass: Das Geheimnis der fünf Gänge
Was das Islandpferd jedoch weltweit berühmt gemacht hat, sind die zusätzlichen Gangarten. Während die meisten anderen Rassen nur Schritt, Trab und Galopp beherrschen, sind Isländer genetisch in der Lage, zwei weitere Gänge zu zeigen:
Der Tölt

Der Tölt ist eine viertaktige Gangart, bei der immer mindestens ein Bein den Boden berührt, sodass das Pferd gleichmäßig und ruhig läuft, ohne die typischen Schwebephasen des Galopps. Er wirkt sehr weich und angenehm für den Reiter, zeigt eine gute Hinterhandaktivität und viel Schulterfreiheit. Ein korrekter Tölt ist taktsicher, entspannt und kann sowohl langsam als auch sehr schnell geritten werden.
Der Rennpass
Der Rennpass ist eine schnelle, lateral zweitaktige Gangart, bei der die Beine derselben Körperseite gleichzeitig nach vorne treten. Dadurch bewegt sich das Pferd gerade, kraftvoll und sehr raumgreifend. Der Gang ist anspruchsvoll, weil das Pferd viel Gleichgewicht, Koordination und Training braucht, um ihn sauber auszuführen. Das Besondere am Rennpass ist seine geradlinige Geschwindigkeit: er ermöglicht sehr schnelles Vorwärtskommen, bis zu 45 km/h, bleibt dabei aber kontrolliert, taktsicher und für den Reiter gut zu sitzen.

Haltung & Fütterung: Was ein Isländer wirklich braucht
Ein Islandpferd ist ein „Robustpferd“. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine Ansprüche hat – ganz im Gegenteil!
Die artgerechte Haltung
Isländer fühlen sich in einer Offenstallhaltung am wohlsten. Sie sind extrem soziale Tiere und brauchen den physischen Kontakt zu ihrer Herde, um glücklich zu sein. Da sie ein extrem dichtes Winterfell entwickeln, kommen sie mit Kälte wunderbar zurecht. In stickigen, warmen Ställen leiden sie hingegen oft unter Atemwegsproblemen.
Ein wichtiger Punkt im Sommer: Da sie für kühle Meeresbrisen gemacht sind, brauchen sie auf unseren heimischen Weiden unbedingt Schattenplätze und Schutz vor Insekten.
Besonderheiten bei der Fütterung
In ihrer Heimat ist das Futterangebot karg und ballaststoffreich. Unsere heimischen Wiesen sind dagegen oft viel zu energiereich. Ein Islandpferd ist ein extrem guter Futterverwerter (sogenannte „Leichtfuttrigkeit“). Was früher ein Überlebensvorteil war, führt heute oft zu Übergewicht und Stoffwechselproblemen wie Hufrehe oder EMS.
Der erhöhte Mineralstoffbedarf
Obwohl sie wenig Kalorien brauchen, ist ihr Bedarf an Mikronährstoffen hoch. Da Islandpferde ursprünglich auf vulkanischen Böden lebten, benötigen sie hierzulande eine gezielte Unterstützung für Haut, Fell und Immunsystem. Besonders die Spurenelemente Zink, Kupfer und Selen spielen eine zentrale Rolle, um z. B. das Sommerekzem gar nicht erst entstehen zu lassen.
Obwohl sie wenig Kalorien brauchen, ist ihr Bedarf an Mikronährstoffen hoch. Da Islandpferde ursprünglich auf vulkanischen Böden lebten, benötigen sie hierzulande eine gezielte Unterstützung für Haut, Fell und Immunsystem. Besonders die Spurenelemente Zink, Kupfer und Selen spielen eine zentrale Rolle, um z. B. das Sommerekzem gar nicht erst entstehen zu lassen.
Was kostet der Traum vom eigenen Isi?
Wenn du dich auf die Suche nach deinem eigenen Herzenspferd machst, wirst du schnell feststellen: Einen festen Preis gibt es nicht. Der Markt hat sich über die letzten Jahre stark verändert, und die Preise sind spürbar angezogen. Grundsätzlich findest du heute Isländer in fast jeder Preisklasse, je nachdem, welche Ansprüche du an Ausbildung, Gangqualität und Abstammung stellst.
Der solide Freizeitpartner
Suchst du ein verlässliches Pferd für entspannte Ausritte, das vielleicht nicht den perfekten „Show-Tölt“ hat, aber einen tollen Charakter besitzt? Hier liegt die Spanne aktuell meist zwischen 6.000 € und 15.000 €. Der Preis variiert dabei stark je nach Alter, Ausbildung und Gesundheitszustand.
Das Sport- und Elitepferd
Nach oben hin sind beim Islandpferd kaum Grenzen gesetzt. Für hochveranlagte Pferde mit viel Tempovarianz im Tölt oder erfolgreiche Turnierpferde beginnen die Preise oft erst ab 20.000 € und können bei Ausnahme-Talenten auch schnell die Marke von 50.000 € oder mehr knacken.
Jungpferde und Absetzer
Ein Fohlen oder ein noch rohes Jungpferd ist in der Anschaffung oft günstiger. Hier kaufst du allerdings die „Wundertüte“ und trägst die Kosten für die Aufzucht über mehrere Jahre selbst, bevor du in den Sattel steigen kannst.
Aber warum variieren die Preise so stark?
Der Preis eines Isländers hängt von mehreren Faktoren ab. Am wichtigsten ist die Qualität der Gangarten: Ein Pferd, das den Tölt taktklar und mühelos beherrscht, ist deutlich begehrter als ein „Schweinepasser“, der viel Korrekturtraining benötigt. Auch der Herkunftsort spielt eine Rolle: Direkt aus Island importierte Pferde sind meist teurer, da Transport- und Zollkosten hinzukommen, während in Deutschland gezogene Isländer bereits an das heimische Klima und die hiesigen Insekten gewöhnt sind.






