Eine Pferdedecke ausmessen dauert keine fünf Minuten – und entscheidet trotzdem darüber, ob dein Pferd die nächsten Monate entspannt oder mit Scheuerstellen an der Schulter verbringt. Zu kurz gewählt, drückt die Decke am Widerrist und rutscht nach hinten. Zu groß gewählt, verdreht sie sich, die Kreuzgurte hängen durch und dein Pferd tritt sich beim Aufstehen hinein.
Du brauchst dafür genau zwei Maße: die Rückenlänge und die Gesamtlänge. Welches der beiden am Ende zählt, hängt vom Hersteller ab.
Was du zum Messen brauchst
Ein weiches Maßband mit mindestens 2 Metern Länge – Haushaltsmaßbänder mit 1,50 m reichen bei einem Großpferd nicht. Alternativ funktioniert eine Longierleine, die du anschließend abmisst. Nicht geeignet sind Zollstock und Metall-Ausziehband, weil sie sich der Körperform nicht anpassen. Eine zweite Person, die dein Pferd kennt, macht das Messen deutlich genauer.
INHALT //
- Pferdedecke ausmessen: die zwei Maße im Detail
- Video: die Vermessung Schritt für Schritt
- Größentabelle für Pferdedecken: cm, Fuß und Zoll
- Zwischen zwei Größen? So entscheidest du
- Welche Pferdedecke bei welcher Temperatur?
- Passform prüfen: der Check nach dem ersten Auflegen
- Häufige Fragen zum Ausmessen der Pferdedecke
Pferdedecke ausmessen: die zwei Maße im Detail
Stell dein Pferd zuerst auf ebenem Boden auf, mit geschlossenen Vorder- und Hinterbeinen. Steht es schief oder mit einem Bein vorgestellt, verziehst du beide Maße um mehrere Zentimeter. Ruhig sollte es auch sein – wer nebenbei am Heunetz zieht, dreht sich weg.
Die Rückenlänge (C – D) ist das klassische europäische Maß. Du legst das Maßband deutlich vor dem Widerrist auf und führst es entlang der Wirbelsäule bis zum Schweifansatz. Das Band liegt dabei auf dem Rücken auf und wird nicht gespannt. Der Wert in Zentimetern ist bei deutschen und europäischen Marken direkt die Deckengröße: 145 cm Rückenlänge bedeutet Größe 145.
Die Gesamtlänge (A – B), auch Unterlänge genannt, misst du seitlich: von der Mitte der Brust über den Schulterpunkt bis zur Mitte des Schweifs. Auch hier darf das Band nicht unter Spannung stehen. Aus diesem Maß leiten irische und britische Hersteller ihre Größen in Fuß und Zoll ab – etwa 6’3″.
Praxis-Tipp
Hat dein Pferd einen hoch angesetzten Schweif, gib zur Rückenlänge zwei bis drei Zentimeter dazu, damit die Hinterhand noch bedeckt bleibt. Übertreib es aber nicht: Eine Decke, die weit über die Hinterhand hängt, schränkt die Bewegung ein und verdreht sich schneller.

Video: die Vermessung Schritt für Schritt
Im folgenden Video zeigt der Deckenhersteller Bucas die Vermessung an einem echten Pferd. Achte darauf: Hier wird nach Herstellervorgabe gemessen, also von der Brustmitte über den Schulterpunkt nach hinten.
Wichtig: Jeder Hersteller misst anders
Es gibt keine einheitliche Norm für Deckengrößen. Nimm deshalb immer beide Maße auf – und richte dich am Ende ausschließlich nach der Größentabelle des Deckenherstellers, den du kaufen willst. Eine Größe 145 von Marke A ist nicht zwingend eine Größe 145 von Marke B.
Größentabelle für Pferdedecken: cm, Fuß und Zoll
Die folgende Tabelle stellt die gängigen Größen gegenüber. Sie ist eine Orientierung, keine Garantie – Schnitt und Passform unterscheiden sich zwischen einzelnen Modellen deutlich.
| Rückenlänge C–D (cm) | Größe in Fuß | Gesamtlänge A–B (ca. cm) |
|---|---|---|
| 75 | 3’9″ | 114 |
| 80 | 4’0″ | 122 |
| 85 | 4’3″ | 130 |
| 90 | 4’6″ | 137 |
| 95 | 4’9″ | 145 |
| 100 | 5’0″ | 152 |
| 110 | 5’3″ | 160 |
| 115 | 5’6″ | 168 |
| 125 | 5’9″ | 175 |
| 130 | 6’0″ | 183 |
| 140 | 6’3″ | 191 |
| 145 | 6’6″ | 198 |
| 155 | 6’9″ | 206 |
| 160 | 7’0″ | 213 |
| 165 | 7’3″ | 221 |
| 170 | 7’6″ | 229 |
Tabelle 2: Größentabelle Pferdedecken. Umrechnung nach der Größentabelle von Horseware Ireland; andere Hersteller weichen um eine halbe bis ganze Größe ab.
Zwischen zwei Größen? So entscheidest du
Liegt dein Maß genau dazwischen, hilft ein Blick auf den Körperbau. Ein schmales Pferd mit flacher Schulter und niedrigem Halsansatz fährt mit der kleineren Größe besser – die größere rutscht und zieht die Decke nach hinten. Ein kräftiges, breit gebautes Pferd mit hohem Halsansatz, etwa ein Barockpferd oder Kaltblut, braucht dagegen die größere Größe oder gleich einen weiteren Schnitt.
Denn neben der Länge entscheidet der Schnitt: Ein hoher Halsausschnitt (oft „High Neck“ oder „Wug“) nimmt Druck vom Widerrist bei hoch aufgesetztem Hals. Ein V-Verschluss vorn gibt der Schulter mehr Spielraum. Pony-Schnitte sind kürzer im Körper, XL-Schnitte tiefer geschnitten. Bei Ekzemerdecken, die rund um die Uhr getragen werden, ist die Passform besonders wichtig – hier lohnt sich das genaue Nachmessen doppelt.
Und: Miss vor jedem Neukauf noch einmal nach. Ein Pferd im Wachstum verändert sich ohnehin, aber auch später ändern sich die Maße – durch Training, eine Trächtigkeit oder abnehmende Muskulatur im Alter. Gerade bei älteren Pferden fällt die Unterlänge oft geringer aus als früher.

Welche Pferdedecke bei welcher Temperatur?
Die Größe stimmt – bleibt die Frage, welche Füllung du brauchst. Wichtig zum Verständnis: Ein gesundes, ungeschorenes und an den Winter gewöhntes Pferd hat eine breite thermoneutrale Zone, die je nach Quelle etwa von 0 °C bis 25 °C reicht. In diesem Bereich muss es kaum Energie aufwenden, um seine Körpertemperatur zu halten. Erst darunter beginnt der Körper, aktiv Wärme zu produzieren. Bei geschorenen Pferden verschiebt sich diese Grenze deutlich nach oben – in einer Untersuchung an einem komplett geschorenen, sportlich gerittenen Isländer lag der Komfortbereich zwischen 7 °C und 31 °C.
Praktisch heißt das: Wind und Dauernässe belasten mehr als die reine Temperatur. Ein trockenes Pferd bei −5 °C friert weniger als ein durchnässtes bei +4 °C mit Wind.
| Außentemperatur | Ungeschoren, Winterfell | Geschoren oder dünnes Fell |
|---|---|---|
| über 15 °C | keine Decke, bei Insekten Fliegendecke | keine Decke oder Sommerdecke |
| 10 bis 15 °C | keine Decke | Abschwitz- oder Sommerdecke, 0 g |
| 5 bis 10 °C | keine Decke, bei Dauerregen Regendecke ohne Füllung | Regendecke 0 bis 100 g |
| 0 bis 5 °C | Regendecke 0 bis 50 g bei Nässe und Wind | 100 bis 200 g |
| −5 bis 0 °C | 0 bis 100 g bei Nässe und Wind | 200 bis 300 g |
| unter −5 °C | 100 bis 200 g | 300 g |
Tabelle 3: Orientierungswerte für gesunde, erwachsene Pferde. Alte, kranke oder sehr dünne Pferde deckst du eine Stufe wärmer ein.
Der Handtest: Ist mein Pferd zu warm eingedeckt?
Schieb deine Hand unter die Decke, hinter den Widerrist oder auf die Schulter. Warm und trocken heißt: Die Decke passt. Feucht oder klamm heißt: zu warm eingedeckt – dein Pferd schwitzt unter der Decke, und feuchtes Fell kühlt anschließend aus. Fühlt sich das Pferd kühl an und ist angespannt oder zittert, fehlt Wärme.
Passend zur Jahreszeit findest du im Shop Outdoor- und Regendecken, Winterdecken sowie Abschwitzdecken für nach der Arbeit.
Passform prüfen: der Check nach dem ersten Auflegen
Die richtige Größe ist die halbe Arbeit, die richtige Verschnallung die andere. Geh nach dem Auflegen diese Punkte durch:
Am Halsausschnitt muss eine flache Hand zwischen Decke und Widerrist passen – liegt der Stoff direkt auf, scheuert er die Mähne durch. Der Brustverschluss schließt ohne Zug, die Ränder überlappen leicht. Bei den Kreuzgurten passt eine flache Hand zwischen Gurt und Bauch; sie werden überkreuz geführt, nicht parallel. Die Beingurte schlaufst du ineinander und lässt etwa eine Handbreit Spiel, damit dein Pferd sich nicht verfängt. Die Decke endet am Schweifansatz und bedeckt die Hinterhand, ohne über die Hüfte hinauszuhängen.
Und dann: Beobachte dein Pferd in Bewegung. Erst im Schritt zeigt sich, ob die Decke nach hinten wandert oder sich verdreht. Nach ein bis zwei Tagen kontrollierst du die klassischen Scheuerstellen – Widerrist, Schulter, Mähnenkamm. Haarbruch oder kahle Stellen sind ein klares Zeichen, dass Größe oder Schnitt nicht passen. Ein Unterziehschutz aus glattem Material kann kurzfristig helfen, ersetzt aber keine passende Decke. Ersatzgurte und Reparaturhilfen findest du im Deckenzubehör.

Häufige Fragen zum Ausmessen der Pferdedecke
Welches Maß ist wichtiger – Rückenlänge oder Gesamtlänge?
Das hängt vom Hersteller ab. Bei europäischen Marken zählt die Rückenlänge in Zentimetern, bei irischen und britischen die Gesamtlänge in Fuß. Nimm beide Maße auf, dann kannst du jede Größentabelle nutzen.
Kann ich eine Pferdedecke nach dem Stockmaß bestellen?
Nein. Zwei Pferde mit 165 cm Stockmaß können sich in der Rückenlänge um 10 cm und mehr unterscheiden. Das Stockmaß taugt höchstens als Grobfilter.
Mein Pferd liegt genau zwischen zwei Größen – was nun?
Bei schmalem Bau und flacher Schulter nimm die kleinere Größe, bei kräftigem Bau und hohem Halsansatz die größere oder einen weiteren Schnitt.
Wie messe ich ein Halsteil?
Halsteile richten sich nach der Deckengröße, nicht nach einem eigenen Maß. Kauf sie passend zur Größe und Marke deiner Decke, damit die Verschlüsse zusammenpassen.
Woran erkenne ich, dass die Decke zu klein ist?
Der Brustverschluss zieht, die Decke rutscht nach hinten, die Schulter ist eingeengt und die Hinterhand bleibt unbedeckt. Dazu kommen Scheuerstellen an Schulter und Widerrist.
Wie oft sollte ich nachmessen?
Vor jedem Neukauf, bei Jungpferden mindestens einmal pro Jahr. Auch bei deutlicher Gewichts- oder Muskelveränderung lohnt das Nachmessen.
Passende Decken für jede Jahreszeit
Von der Abschwitzdecke bis zur Winterdecke – in allen gängigen Größen.
Weitere passende Kategorien: Stalldecken, Unterdecken und Schermaschinen, wenn du dein Pferd im Winter scheren willst.
Mehr zum Thema im Magazin: Wie viel Heu braucht mein Pferd?, Übergewicht beim Pferd und Giftpflanzen für Pferde.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Bei Anzeichen von Krankheit oder einer Vergiftung/Verletzung wende dich bitte umgehend an einen Tierarzt.
Quellen: Agroscope / Schweizerisches Nationalgestüt, „Das optimale Klima im Pferdestall“ (Agroscope Transfer Nr. 550, rev. 2025), agroscope.admin.ch; Morgan, K. (1998): Thermoneutral zone and critical temperatures of horses, Journal of Thermal Biology





