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Glucke in der Naturbrut: So gelingt die natürliche Kükenaufzucht
// KATHARINA

Die Naturbrut, bei der eine Glucke die Eier selbst ausbrütet, ist eine der ältesten und faszinierendsten Methoden. Diese natürliche Brutweise ermöglicht es dir, die wunderbaren Instinkte der Tiere hautnah zu erleben und das Wachsen der Küken unter dem Schutz ihrer Mutter zu beobachten. In diesem Artikel erfährst du alles Wissenswerte über die Naturbrut: von der Auswahl der brütenden Henne über die richtige Vorbereitung bis hin zur Aufzucht der Küken. Egal, ob du ein erfahrener Hühnerhalter bist oder gerade erst anfängst – dieser Artikel bietet dir wertvolle Informationen und Tipps, um die Naturbrut erfolgreich zu gestalten.
- Wann macht die Naturbrut überhaupt Sinn?
- Frühzeitige Vorbereitungen
- Daran erkennst du eine Glucke
- Der Gluckenstall für die brütende Henne
- Der Umzug der Henne
- Die Pflege und Ernährung der Glucke
- Eier schieren für einen höheren Bruterfolg
- Das Umsetzen der Brut in den Aufzuchtstall
- Wann kann die Glucke mit Küken zu anderen Hühnern?
- FAQ
Wann macht die Naturbrut überhaupt Sinn?
Die Naturbrut eignet sich besonders gut, wenn du nur ein paar Küken ausbrüten möchtest und der genaue Zeitpunkt nicht entscheidend ist. Wenn du hingegen viele Hühner züchten willst, ist die Kunstbrut oft die bessere Wahl. Mit einem Brutautomaten kannst du den idealen Brutzeitpunkt wählen und deutlich mehr Küken gleichzeitig ausbrüten, als es eine Henne je schaffen könnte.
Frühzeitige Vorbereitungen
Um die besten Voraussetzungen für die Naturbrut zu schaffen, ist es wichtig, frühzeitig einige Vorbereitungen zu treffen. Zunächst solltest du auf die Ernährung der brütenden Henne achten. Eine ausgewogene und nährstoffreiche Kost ist entscheidend für die Gesundheit der Henne und die Entwicklung ihrer zukünftigen Küken. Hochwertiges Hühnerfutter, das reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist, unterstützt die Henne während der Naturbrut.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Durchführung einer Wurmkur, die rechtzeitig vor der Brut erfolgen sollte. Zusätzlich ist die Hygiene im Hühnerstall von großer Bedeutung. Reinige den Stall und die Legenester gründlich, um sicherzustellen, dass die Henne in einer sauberen Umgebung brüten kann. Die Behandlung der Bereiche mit Kieselgur schützt die Henne vor unliebsamen Gästen wie Milben und Federlingen, die ihre Gesundheit gefährden könnten.

Auswahl der brütenden Henne
Die Wahl der richtigen Henne ist entscheidend für den Erfolg der Naturbrut. Achte darauf, eine ruhige und ausgeglichene Henne auszuwählen, da nervöse Hennen während der Brutzeit ihre Küken unnötig stressen können. Eine Henne mit einem stabilen Temperament wird ihre Küken besser betreuen und beschützen.
Es ist auch wichtig, dass die Henne einen ausgeprägten Bruttrieb hat. Rassen wie Seidenhühner, Wyandotten, Brahmas, Cochin, Orpington und Sussex sind bekannt dafür, hervorragende Glucken zu sein. Diese Rassen zeigen nicht nur eine hohe Brutbereitschaft, sondern kümmern sich auch liebevoll um ihre Küken.
Berücksichtige zudem das Alter der Henne. Jüngere Hennen haben möglicherweise weniger Erfahrung beim Brüten, während ältere Hennen oft sicherer und fürsorglicher mit ihren Küken umgehen.
Daran erkennst du eine Glucke
Der Gluckenstall für die brütende Henne
Eine brütende Henne benötigt einen ruhigen und sicheren Ort, um sich ganz auf das Ausbrüten ihrer Eier konzentrieren zu können. Zunächst einmal solltest du einen separaten Bereich für die Glucke einrichten, um sie von den anderen Hühnern abzuschirmen. Dieser Hühnerstall sollte so gestaltet sein, dass die Henne ungestört brüten kann. Ein idealer Gluckenstall für die Naturbrut ist ruhig, gut belüftet und vor extremen Witterungsbedingungen geschützt.
Stelle sicher, dass der Stall ausreichend Platz bietet und dass die Henne genügend Bewegungsfreiheit hat. Du kannst entweder ein kleines, separates Gehege verwenden oder einen Teil des Hühnerstalls abteilen. Achte darauf, dass der Gluckenstall sicher ist, um Eindringlinge wie Raubtiere abzuhalten.

Das Nest selbst sollte weich und warm sein. Verwende als Einstreu eine dicke Schicht Heu oder Stroh, um ein gemütliches Legenest für die Henne zu schaffen. Achte darauf, dass das Nest gut abgedunkelt ist, da Hühner sich in dunklen, geschützten Bereichen wohler fühlen. Dies hilft auch, die Eier warm zu halten.
Zusätzlich ist es wichtig, dass der Gluckenstall auch einen Bereich für ein Sandbad bietet, in dem sich die Henne bei Bedarf pflegen kann. Ein sauberes Sandbad ist nicht nur für die Hygiene wichtig, sondern hilft der Henne auch, ihr Gefieder zu pflegen.
Stelle sicher, dass der Bereich für Futter und Wasser in unmittelbarer Nähe des Legenests angeordnet ist. So kann die Henne während ihrer kurzen Ausflüge zum Fressen, Trinken oder Sandbaden sicherstellen, dass ihre Eier immer im Blick bleiben und nicht aus dem Nest gerollt werden.
Der Umzug der Henne
Wenn du bemerkt hast, dass die Henne zwei Tage lang alle Anzeichen einer Glucke zeigt, kannst du sie in den Gluckenstall umsetzen. Der Umzug sollte idealerweise in den Abendstunden erfolgen, wenn die Henne bereits ruhig sitzt. Setze die Henne vorsichtig in den neuen Stall und lasse sie sich an ihre Umgebung gewöhnen.
Übungseier zur Eingewöhnung
Um die Eingewöhnung zu erleichtern, kann es hilfreich sein, zuerst einige Übungseier in das Nest zu legen, bevor du die richtigen Bruteier hinzufügst. So kann sich die Henne besser an den neuen Ort gewöhnen. Du kannst die aktuellen Nesteier erst gegen die frischen Bruteier austauschen, wenn die Henne bereits mindestens einen Tag lang ruhig im Nest sitzt. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie die Eier aus dem Nest wirft.
Wichtig ist, dass du nur so viele Eier in das Nest legst, wie die Glucke mit ihrem Körper abdecken kann. Bei mittelgroßen Hühnerrassen sind dies in der Regel maximal zehn Eier. Stelle sicher, dass die Bruteier frisch sind und nicht älter als sieben Tage, da die Qualität mit jedem Tag nachlässt. Bewahre die bereits gesammelten Bruteier am besten an einem Ort auf, der maximal 9 bis 13°C warm ist.

Die Pflege und Ernährung der Glucke
Die Hygiene im Gluckenstall ist essenziell, um die Gesundheit der Henne während der Naturbrut zu schützen. Reinige den Stall regelmäßig, indem du Kotreste entfernst und das Legenest sauber hältst. Achte darauf, das Sandbad regelmäßig zu wechseln, um die Ansammlung von Schmutz und Parasiten zu vermeiden. Außerdem müssen Futter und Wasser täglich erneuert werden.
Stelle sicher, dass die Glucke Zugang zu hochwertigem, handelsüblichem Körnermischfutter hat, das reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist. Diese Nährstoffe sind entscheidend für ihre Gesundheit und unterstützen zudem die Entwicklung der Küken im Ei. Zusätzlich hat sich ein Ölsaatengemisch als hervorragender Energielieferant bewährt. Verzichte während der Brutzeit auf die Fütterung von Saftfutter wie frischem Gemüse, da dies zu Durchfall führen kann und das Gelege verschmutzen könnte.
Die Ernährung der Glucke während der Naturbrut sollte sich übrigens nach den Außentemperaturen richten. Beginnt die Brut früh im Jahr (Februar/März) und gibt es extreme Minusgrade, ist es wichtig, ein besonders energiedichtes Futter anzubieten, um den Energiehaushalt der Hühner während der Brutzeit zu unterstützen.
Eier schieren für einen höheren Bruterfolg
Nicht in jedem Brutei entwickelt sich tatsächlich ein Küken. Um die Chancen auf einen erfolgreichen Schlupf zu erhöhen, ist es sinnvoll, die Eier zu schieren. Dabei wird mit einer Schierlampe das Innere der Eier durchleuchtet, um festzustellen, in welchen Eiern Leben heranwächst. Dies sollte idealerweise am 7. Bruttag erfolgen, wenn die Entwicklung der Küken am deutlichsten zu erkennen ist.
Wenn du beim Schieren feststellst, dass in einem Ei nichts passiert, ist es ratsam, dieses Ei aus dem Nest zu nehmen. Indem du unbefruchtete oder nicht entwickelte Eier entfernst, erleichterst du der Glucke die Aufzucht, da sie sich nur um die Küken kümmern kann, die eine Chance auf Überleben haben.

In einigen Fällen kann es vorkommen, dass die Glucke nach der Naturbrut ihre Küken frisst. Dies ist kein ungewöhnliches Verhalten, da sie ihre Nachkommen nur frisst, wenn diese tot oder krank sind. Dieses Verhalten dient einem natürlichen Zweck: Es hilft, Fressfeinde von dem Gelege fernzuhalten und die Sicherheit der gesunden Küken zu gewährleisten.
Das Umsetzen der Brut in den Aufzuchtstall
Der Umzug in den Aufzuchtstall sollte frühestens am 21. Bruttag erfolgen, wenn du sicherstellen kannst, dass alle Küken geschlüpft sind. In der Regel geschieht dies um den 20. Bruttag herum. Es ist wichtig, den Aufzuchtstall vorher gut vorzubereiten, um den Küken eine sichere und angenehme Umgebung zu bieten.
Der Aufzuchtstall sollte warm, trocken und vor Zugluft geschützt sein. Achte darauf, dass er ausreichend Platz bietet, damit die Henne und die Küken sich problemlos bewegen können. Richte ein gemütliches Nest für die Henne ein, sowie einen Bereich mit frischem Wasser und Futter, das speziell für Küken geeignet ist.
Wann kann die Glucke mit Küken zu anderen Hühnern?
Die Küken sollten mindestens 8 Wochen alt sein, bevor du sie mit den anderen Hühnern zusammenführst. In diesem Alter sind sie in der Regel gut befiedert und robust genug, um sich gegen die älteren Hühner durchzusetzen. Es kann hilfreich sein, die Küken und die Glucke zunächst für kurze Zeit in Sichtweite der anderen Hühner zu halten, um die Gewöhnung zu erleichtern.
Achte während der ersten Tage nach der Integration genau auf die Interaktionen zwischen den Küken und den älteren Hühnern. Es ist wichtig, dass die ranghohen Hühner der Herde nicht aggressiv auf die Küken reagieren. Die Glucke spielt dabei eine wichtige Rolle, indem sie ihre Küken während des Integrationsprozesses schützt.
Biete den Küken und der Glucke in der ersten Zeit nach der Integration einen sicheren Rückzugsort, falls es zu Konflikten kommen sollte.
Mein Tipp: Hilfreich ist es, den Gluckenstall anfangs nur für ein bis zwei Stunden am Tag zu öffnen und zu beobachten, wie sich die anderen Hühner zu den Küken verhalten. Auf diese Weise kannst du schnell erkennen, ob eine Zusammenführung sinnvoll ist oder ob es besser ist, noch etwas zu warten.




