Giftpflanzen für Pferde erkennen

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Giftpflanzen für Pferde: Pferde auf einer Weide

Giftpflanzen für Pferde lauern auf vielen Weiden – oft völlig unbemerkt. Viele sehen harmlos aus, und der viel zitierte Instinkt schützt dein Pferd nicht zuverlässig: Getrocknet im Heu verlieren die meisten Giftpflanzen ihren bitteren Geschmack und werden einfach mitgefressen. Die gute Nachricht: Wer die wichtigsten Arten kennt, seine Weide regelmäßig kontrolliert und eine dichte Grasnarbe pflegt, senkt das Risiko enorm. Hier erfährst du, welche Pflanzen wirklich gefährlich sind, woran du eine Vergiftung erkennst und wie du deine Weide dauerhaft sicher machst.

INHALT //
  1. Warum der Instinkt dein Pferd nicht schützt
  2. Die 10 wichtigsten Giftpflanzen für Pferde erkennen
  3. Woran erkennst du eine Vergiftung beim Pferd?
  4. Wie entfernst du Giftpflanzen richtig?
  5. Wie schützt du deine Pferdeweide dauerhaft?
  6. Häufige Fragen zu Giftpflanzen für Pferde

Warum der Instinkt dein Pferd nicht schützt

Es hält sich hartnäckig der Glaube, Pferde würden Giftiges instinktiv meiden. Das stimmt nur bedingt. Auf der Weide macht dein Pferd um bittere Pflanzen zwar meist einen Bogen – doch beim Trocknen verschwindet genau dieser bittere Geschmack, während das Gift erhalten bleibt. So landet zum Beispiel Jakobskreuzkraut unbemerkt im Heu und wird mitgefressen.

Dazu kommt: Pferde reagieren empfindlicher als viele andere Tiere. Schon kleine Mengen mancher Gifte reichen aus, um Symptome auszulösen. Und wenn eine Weide kahl gefressen ist oder dein Pferd beim Ausritt im Vorbeigehen nascht, frisst es auch, was es sonst stehen lassen würde. Ein geschultes Auge für die wichtigsten Arten ist deshalb dein bester Schutz.

Das Wichtigste in Kürze

Verlass dich nie allein auf den Instinkt deines Pferdes, kontrolliere Weide und Heu regelmäßig statt nur einmal im Jahr, und ruf bei jedem Verdacht auf eine Vergiftung lieber sofort den Tierarzt, statt abzuwarten.

Die 10 wichtigsten Giftpflanzen für Pferde erkennen

Diese zehn Pflanzen solltest du sicher erkennen können. Geh am besten einmal bewusst mit diesen Bildern über deine Weide und ihre Ränder.

1. Jakobskreuzkraut

Jakobskreuzkraut erkennst du an seinen leuchtend gelben, gänseblümchenartigen Blüten und der Wuchshöhe von 30 bis 100 cm. Seine Pyrrolizidinalkaloide schädigen die Leber schleichend – schon kleine Mengen über Wochen reichen aus, und getrocknet im Heu bleibt das Gift voll wirksam, während der warnende bittere Geschmack verschwindet.

Symptome bei Vergiftung: Leberschädigung mit Apathie, depressiven Verstimmungen sowie Appetit- und Gewichtsverlust.

Jakobskreuzkraut mit gelben Blüten – Giftpflanze für Pferde

2. Bergahorn

Beim Bergahorn sind nicht die Blätter das Problem, sondern die Samen (die „Nasenzwicker“) und die Keimlinge mit dem Gift Hypoglycin A. Sie lösen die atypische Weidemyopathie aus, eine Muskelerkrankung, die häufig innerhalb von ein bis drei Tagen tödlich verläuft – besonders kritisch im Herbst und Frühjahr.

Symptome bei Vergiftung: Schwitzen, Muskelzittern, Krämpfe, Koliken und dunkler Urin.

Bergahorn-Samen und Keimlinge – giftig für Pferde

3. Eibe

Die Eibe ist immergrün, hat flache Nadeln und im Herbst leuchtend rote Beeren. Nadeln, Rinde und Samen enthalten das Gift Taxin, nur das rote Fruchtfleisch ist ungiftig. Schon eine Handvoll Nadeln kann ein Pferd binnen Minuten töten, oft ganz ohne Vorwarnung.

Symptome bei Vergiftung: Beschleunigter Puls, Taumeln, Krämpfe, weißer Schaum vor dem Maul, Blasenentzündung und Herz-Kreislauf-Kollaps.

Eibe mit roten Beeren – Giftpflanze für Pferde

4. Herbstzeitlose

Die Herbstzeitlose wächst auf feuchten Wiesen und zeigt im Herbst hellviolette, krokusähnliche Blüten. Ihr Gift Colchicin bleibt auch im getrockneten Heu wirksam und löst Speichelfluss, Koliken, blutigen Durchfall und Lähmungen aus.

Symptome bei Vergiftung: Nahrungsverweigerung, Schwitzen, extremer Speichelfluss, Koliken, blutiger Durchfall, Kreislaufstörungen und Lähmungen.

Herbstzeitlose mit violetten Blüten – giftig für Pferde

5. Blauer Eisenhut

Der Blaue Eisenhut trägt unverwechselbare helmförmige, blau-violette Blüten an hohen Stängeln und gilt als giftigste Pflanze Mitteleuropas. Sein Alkaloid Aconitin steckt in allen Pflanzenteilen – schon wenige Gramm können Krämpfe, Herzrhythmusstörungen und Lähmungen auslösen.

Symptome bei Vergiftung: Starker Speichelfluss, erweiterte Pupillen, Unruhe, Durchfall, Krämpfe, Herzrhythmusstörungen und aufsteigende Lähmungen bis zum Kreislaufversagen.

Blauer Eisenhut mit violetten Blüten – Giftpflanze für Pferde

6. Adlerfarn

Adlerfarn steht oft an Waldrändern und auf sauren Böden, mit großen, dreieckigen und häufig mannshohen Wedeln. Über die enthaltene Thiaminase zerstört er das Vitamin B1 und führt so zu Nervenstörungen – gefährlich vor allem bei größerer Aufnahme über längere Zeit.

Symptome bei Vergiftung: Ataxie und Störungen des zentralen Nervensystems infolge des zerstörten Vitamin B1.

Adlerfarn – Giftpflanze für Pferde

7. Roter Fingerhut

Den Roten Fingerhut erkennst du an den hohen Trauben aus rosa-purpurnen Glockenblüten. Das enthaltene Digitalis wirkt direkt auf das Herz, sodass schon wenige Blüten oder Blätter zu Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zum Tod führen können.

Symptome bei Vergiftung: Blutiger Durchfall, Benommenheit, hoher Blutdruck und Herzrhythmusstörungen.

Roter Fingerhut mit purpurnen Blüten – giftig für Pferde

8. Robinie (Scheinakazie)

Die Robinie hat gefiederte Blätter, weiße Blütentrauben und Dornen an jungen Trieben. Rinde und Samen sind giftig – und weil Pferde gern an Rinde nagen, sind Robinien-Pfähle und -Bäume am Zaun besonders riskant.

Symptome bei Vergiftung: Speichelfluss, Unruhe und danach Teilnahmslosigkeit, erhöhter Puls, erweiterte Pupillen, gelbe Schleimhäute, Magen-Darm-Entzündungen mit Krämpfen sowie Leber- und Nierenschäden.

Robinie (Scheinakazie) – Giftpflanze für Pferde

9. Goldregen

Goldregen ist eine beliebte Gartenpflanze mit auffälligen, hängenden gelben Blütentrauben. Alle Teile sind giftig, vor allem die erbsenähnlichen Samen, und lösen Schwitzen, Zittern und einen beschleunigten Puls aus.

Symptome bei Vergiftung: Schweißausbrüche, Zittern, schwere Atmung, hoher Blutdruck und beschleunigter Puls.

Goldregen mit gelben Blütentrauben – giftig für Pferde

10. Tollkirsche, Bilsenkraut & Stechapfel

Diese Nachtschattengewächse enthalten die Alkaloide Atropin und Scopolamin. Die Tollkirsche trägt glänzend schwarze Beeren, der Stechapfel stachelige Kapseln und das Bilsenkraut schmutzig-gelbe Blüten – schon kleine Mengen führen zu weiten Pupillen, Unruhe und Krämpfen.

Symptome bei Vergiftung: Weite Pupillen, trockene Schleimhäute, Schluck- und Sehstörungen, beschleunigter Puls, Unruhe, Krämpfe und Lähmungen.

Schwarze Tollkirsche – Nachtschattengewächs, giftig für Pferde

Besonders tückisch: Gift im Heu

Mehrere dieser Pflanzen – allen voran Jakobskreuzkraut und Herbstzeitlose – bleiben auch getrocknet giftig, verlieren beim Trocknen aber ihren bitteren Warngeschmack. Kontrolliere Heu und Heulage deshalb genauso sorgfältig wie die Weide selbst, besonders bei Zukäufen aus unbekannter Herkunft.

Wie entfernst du Giftpflanzen richtig?

Hast du eine Giftpflanze entdeckt, steche sie mit der Wurzel aus – bloßes Abschneiden reicht nicht, viele Pflanzen treiben sonst wieder aus. Am leichtesten gelingt das mit einem Unkrautstecher bei feuchtem Boden. Ausgerissene Pflanzen dürfen nie liegen bleiben, denn welk werden manche erst richtig schmackhaft. Kontrolliere die Fläche außerdem vor jedem Mähen, damit sich keine Samen im Heu verteilen. Das passende Weidezubehör hält deine Weide dabei in Schuss.

Praxis-Tipp: Sicher entsorgen

Trage beim Ausstechen immer Handschuhe, denn viele Gifte wirken auch über die Haut. Pack die Pflanzen samt Wurzel direkt in einen Müllsack und entsorge sie im Restmüll – auf dem Kompost überleben die Samen und keimen im nächsten Jahr erneut.

Wie schützt du deine Pferdeweide dauerhaft?

Der beste Schutz ist eine gesunde, dichte Grasnarbe – Giftpflanzen siedeln sich vor allem auf Lücken und überweidetem Boden an. Halte die Narbe durch Nachsäen, Mähen und maßvolles Düngen dicht und vermeide Überweidung. Ergänzend hilft eine bedarfsgerechte Fütterung mit gutem Raufutter und passendem Ergänzungsfutter, damit dein Pferd gar nicht erst aus Hunger nach Ungeeignetem sucht. Wie du deine Weide insgesamt gesund und leistungsfähig hältst, zeigt dir auch unser Ratgeber zu „Pferdeweide – Fit für die Saison„.

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Von Weidezubehör über Ergänzungsfutter bis zur Stallapotheke – bei Agrarzone bekommst du, was dein Pferd gesund und deine Weide sicher hält.

Häufige Fragen zu Giftpflanzen für Pferde

Woran erkenne ich, dass mein Pferd eine Giftpflanze gefressen hat?

Je nach Pflanze reichen die Anzeichen von Speichelfluss, Koliken und Durchfall über Muskelzittern und Koordinationsstörungen bis zu Apathie und Gewichtsverlust. Bei jedem Verdacht gilt: Belastung stoppen und Tierarzt rufen.

Ist Jakobskreuzkraut auch im Heu gefährlich?

Ja. Beim Trocknen verschwindet nur der bittere Geschmack, das lebertoxische Gift bleibt vollständig erhalten – deshalb ist Jakobskreuzkraut im Heu besonders tückisch.

Welche Giftpflanze ist für Pferde am gefährlichsten?

Besonders kritisch sind Eibe (tödlich schon in Minuten), Bergahorn-Samen (atypische Weidemyopathie) und Jakobskreuzkraut (schleichender Leberschaden, auch im Heu).

Fressen Pferde Giftpflanzen nicht instinktiv aus dem Weg?

Nur bedingt. Der Instinkt hilft bei frischen, bitteren Pflanzen, versagt aber bei getrocknetem Gift im Heu und wenn das Pferd Hunger hat oder gelangweilt ist.

Wie werde ich Giftpflanzen dauerhaft los?

Mit der Wurzel ausstechen, im Restmüll entsorgen (nicht auf dem Kompost) und vor allem die Grasnarbe dicht halten – auf gepflegten Weiden haben Giftpflanzen kaum eine Chance.

Quellen

Fachliche Grundlage bieten unter anderem die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover zur atypischen Weidemyopathie (Hypoglycin A) sowie Thieme Tiermedizin zum Jakobskreuzkraut beim Pferd.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Bei Anzeichen von Krankheit oder einer Vergiftung/Verletzung wende dich bitte umgehend an einen Tierarzt.

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